Was KI in der juristischen Arbeit leisten kann
KI ist nützlich, wenn Aufgabe, Quellen und menschliche Prüfung klar bestimmt sind. Die Arbeit muss auf Quellen beruhen, getestet werden und einer verantwortlichen Person zugeordnet sein.
KI kann juristische Arbeit unterstützen, wenn Aufgabe, Grundlagen und Kontrolle klar bestimmt sind. Unzuverlässiger wird sie, wenn sie die Rechtslage oder eine Beurteilung ohne bezeichnete Quelle liefern soll. Entscheidend ist die Arbeitsweise: Quellen vorgeben, das Ergebnis prüfen und festlegen, wer dafür einsteht.
Eine klar umrissene Aufgabe
Sprachmodelle können vorhandene Texte verarbeiten: zusammenfassen, nach vorgegebenen Überschriften ordnen, übersetzen, genannte Daten, Beträge und Parteien erfassen oder Dokumente auf mögliche Widersprüche prüfen.
Die Quelle bleibt verfügbar. Behauptet das Modell, eine Mitteilung sei am 14. März versandt worden, kann die prüfende Person das Dokument öffnen. Auch dabei kann das Ergebnis etwas auslassen oder verfälschen. Die Prüfung hat aber einen klaren Ausgangspunkt.
Das kann die Aktenorganisation, quellengebundene Recherche, Standardentwürfe, die Dokumentenprüfung und die Vorbereitung einer bestimmten Rechtsfrage unterstützen. Das Werkzeug arbeitet mit abgegrenztem Material. Ein Mensch entscheidet, ob das Ergebnis richtig und für seinen Zweck geeignet ist.
Eine breitere Prüfung
KI kann die systematische Prüfung umfangreicher Akten praktikabler machen. Ein Team kann mehr Dokumente anhand bestimmter Fragen verarbeiten, Feststellungen mit Quellen verknüpfen und unlesbare Dateien erfassen. Das ist keine vollständige Lektüre. Relevantes kann übersehen, ein Inhalt falsch erfasst oder eine Frage ungenau gestellt werden. Ein verlässlicher Arbeitsablauf macht Umfang und Grenzen sichtbar.
Eine Aufgabe ohne Quellenbasis
Das Risiko steigt, wenn ein Modell die Rechtslage liefern soll, statt mit bezeichneten Quellen zu arbeiten. Eine flüssige Antwort kann richtige Aussagen mit veralteten, unpassenden oder erfundenen Belegen verbinden. Am Ton lässt sich das nicht erkennen.
Die Plausibilität ist das Risiko. Ein offensichtlicher Fehler lässt sich leicht verwerfen. Ein selbstsicher vorgetragener Fehler kann eine eilige Prüfung überstehen und in eine Entscheidung eingehen.
Eine unbelegte Rechtsaussage muss weiterhin recherchiert werden. Die Ausgabe kann einen Ansatz liefern. Eine Rechtsquelle ist sie nicht.
Arbeitsregeln
- Aufgabe, Aktenbestand und Ausgabeformat bestimmen.
- Jede wesentliche Tatsache und Rechtsaussage mit ihrer Quelle verknüpfen.
- Umfang, Ausnahmen und Unsicherheiten festhalten.
- Den Arbeitsablauf an repräsentativen abgeschlossenen Arbeiten testen.
- Die Person benennen, die das Ergebnis prüft und für die Beurteilung einsteht.
Anwaltsgeheimnis und Datenschutz bestimmen die Wahl des Systems. Bevor vertrauliches Material eingegeben wird, muss geklärt sein, wo es verarbeitet wird, wer darauf zugreifen kann und wie es gespeichert, weiterverwendet, übertragen, protokolliert und geschützt wird. Lokale Verarbeitung kann Risiken mindern, macht ein System aber nicht schon geeignet. Auch eine Anonymisierung kann unvollständig bleiben und ersetzt diese Prüfung nicht.
Das konkrete System prüfen
Modelle, Einstellungen und angeschlossene Quellen ändern sich. Begeisterung und Ablehnung ersetzen keine Prüfung. Das konkrete System ist an repräsentativen abgeschlossenen Arbeiten zu testen. Quellen, erwartete Ergebnisse und bekannte Grenzfälle werden vorab bestimmt. Nach einer wesentlichen Änderung wird erneut getestet. Eine Verbesserung bei einer Aufgabe belegt keine Verlässlichkeit bei einer anderen.
Was sich ändert
KI ermöglicht eine breitere und frühere Durchsicht. Aus Verarbeitung wird noch kein Verstehen. Die Verantwortung bleibt bei der Person, die entscheidet, was das Material bedeutet, was zu tun und was der Klientschaft zu raten ist. Ein nützliches System liefert dieser Person belegte Ergebnisse, sichtbare Grenzen und mehr Zeit zum Denken.